Über die Verantwortung der Medien

Ein junger Mann, ein Kriegsversehrter aus der Ukraine, wird infolge eines Drohnenangriffs davor bewahrt seinen Arm zu verlieren. Das, Dank dem interdisziplinären Team im Haller Diak. Hier könnte diese wunderbare Geschichte ihren Abschluss finden. Ende gut alles gut, oder so.

Wenn man in die Facebook-Kommentarspalte unter dem Artikel-Post schaut, kann man staunen. Mehrere äußerst abfällige, teils menschenverachtende, in jedem Fall irreführende Kommentare stehen darunter.

Nach der Entwicklung der Sprache, der Schrift, des Buchdruck und den elektronischen Medien, wie Radio und TV, befinden wir uns mitten in der fünften und sechsten Medienrevolution, Digitalisierung und Künstliche Intelligenz. Das ist nicht nur herausfordernd, sondern bringt naturgemäß gesellschaftliche Umwälzungen mit sich. Ohne den Buchdruck hätte Luther die Kirche nicht reformieren können.

Was hat das mit dem Artikel über den ukrainischen Soldaten zu tun? Das Haller Tagblatt hat eine Verantwortung. Gegenüber dem jungen ukrainischen Mann, der sichtlich froh über sein Glück auf seinem Pflegebett sitzt und der Öffentlichkeit in seiner Verletzlichkeit preisgegeben wurde. Das HT hat auch eine Verantwortung gegenüber der Gesellschaft. So wie das HT eine Podiumsdiskussion moderiert und Gesagtem einem Faktencheck unterzieht, oder Leserbriefe moderiert, so hat das HT als Seitenbetreiber auf Facebook eine Verantwortung für die Kommentarspalte und muss hier moderierend tätig werden.

Während wir Regeln für den Umgang mit den ersten vier entwickelt haben, scheint das Internet und die Kommentarspalte ein straffreier Raum. Jede und jeder kann scheinbar alles ins Internet schreiben, auch wenn es verletzend oder gelogen ist. Während ein verletzendes Wort, ausgesprochen in kleiner Gruppe, verhallt, steht das geschriebene Wort in der Kommentarspalte noch in Jahren da und kann jederzeit nachgelesen, erneut kränken.

Auch unsere Lokalzeitung weiß, viele emotionale Kommentare füttern die Algorithmen und ein viel kommentierter Post wird mehr Menschen angezeigt. In einer Zeit in der Aufmerksamkeit knappe Ressource ist, kann das für eine Zeitung überlebenswichtig sein.

Nichtsdestotrotz hat das HT die Kommentarfunktion deaktiviert und die unsäglichen Kommentare ausgeblendet. Danke.

Transparenzhinweis: Dieser Beitrag wurde als Leserbrief an die Redaktion des HT gesendet.


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